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Gedicht "Tattoo" als Bild

 

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Pst

Die Jagd nach einem
Haiku: auf dem Papier putzt
Sich eine Fliege.

 

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Eine Tätigkeit:
inseln – sich kennenlernen
in der Menschenflut.

 


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Und das im Herbst

Frühlingsblau ist der Himmel
Und wie du dich biegst
Lachst und lachst
Blau auch du.

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Frohgemut futsch

Mich als abgehalfterten
Einfall entdeckt:

Heiße Soll
Wäre gern Haben
Guck in den Mond.

Der nimmt gerad’ wieder zu:
Ich erkenn’ mich
Eine kleinmütige
Halbmondige Nachtmusik.


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Tratsch über’n Zaun

„Ich hab viel Herzblut reingesteckt.“
„Hirnblut wär vielleicht besser gewesen.“
„Wer weiß, aus welchem Körperteil das Blut wirklich stammt.“
„Und vor allem wohl, aus wessen.“
„Woher es stammt – aus der Konserve.“
„Wer holt sich schon nen Bluterguss aus der Konserve.“



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Mucksch

Am Comer See auf der Promenade
stapft ein kölner Ehemann neben seiner
kölner Ehefrau. Dauerschweigen. Sie japst:
„Bist schon wieder mucksch.
Die janze Zeit mucksch.“

„Mucksch, immerzu. Mucksch.“

„Bist schon wieder die janze Zeit mucksch.“
Am Comer See auf der Promenade
Mucksch.

 

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Idiot

Wo du gewesen bist
Will er wissen und du sagst:
Auf einem Gedanken ausgeritten
In einen Ort aus Sätzen
Gebaut wie schöne Häuser.
Mit Bäumen, die man lesen kann
Und der Wind hat die Zweige und Blätter
Von zwei Pappeln und ein paar Ahornbäumen
Dirigiert, ein rauschender
Gesang, und Regen
Trommelte Nachrichten
Auf Laub und Straßen, und ich habe
Wurzeln trinken hören
Mit schmatzendem Genuss.

Idiot, spuckt er dir ins Gesicht
Der halbhumane Halbcomputer:
Du bist Produktausschuss.


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Auf dem Klavier des Alphabets

spiele ich, für dich, für uns:
Lass den Himmel in dir
Nicht verkommen. Außen
Sind viele berserkerhaft außer sich


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Winter

Der Nebel hat sich gesenkt.
Der Himmel ist blau
Der Nebel dicht
In vielen Köpfen.


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Es klopft

Oder klingelt, ein Überfall
Der Vergangenheit

In Winkeln und Ecken
In Schrunden, Narben
Und hinter kosmetischen Fassaden
Lauern gelebte Filme
Ausblendungen
Und schnelle Schnitte
Als Auswege
Oder Sackgassen mit
Kopfsteinpflaster, Pflaster
Auf einer Phrase
Eines Lieds

 

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und er vergaß, zu atmen

Nein.
Er vergaß
Den Kopf zu schütteln
Vergaß ja und nein
Auch seinen Namen, wie man
B verschweigt, obwohl
Man A gesagt hat.
Vergaß, das Licht anzuknipsen
Im Kopf, den Augen.
Und ließ den Glanz
In seinem Gesicht ungezähmt.
Er vergaß nicht, zu atmen
Der Atem vergaß ihn.

 

 


© Uwe Helfrich