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Die Zukunft

soll ich Ihnen lesen?
Oder die Leviten?

Zukunft!

Futur1 oder 2 ?
Natürlich oder
Virtuell wie an der Börse?

So, Zukunft, welche wollen Sie?

Virtuelle Mädchen und Bübchen mit Grübchen
In virtuellen Banken mit virtuellen Schranken?

Geben Sie mir Ihre Hand:

Die Zukunft
Pubertiert gerade
Zur Gegenwart
mit Brandanschlägen.



                     *

 

Friedlich

Auf Hass mit Hass antworten
bewirkt höchstens Frieden
von Friedhöfen.



                     *

 

Lauschig

Der Sommerabend ist licht. Die Luft, in der wir sitzen, stehen oder gehen, schlank. Ein leichter Wind mit Flaumflügeln aus Lavendelduft, lebensfreundlich für aufgeheizte Warmblütler. Aus den Gärten plätschert Frauenlachen, leichtlebige Fata Morgana des Juli. Von weit dröhnt nachhaltig eine Drohne, zeichnet unseren Herzschlag auf und unser Stirnrunzeln und unausgesprochene Gedanken verkörpern sich maschinell zu Sätzen. Seufzer aber oder Zähneknirschen werden Hausnummern der Gärten zugeordnet und gefilmt, wer die schwarzen Schatten der Drohnen foto- oder kartografiert.
Der Sommerabend ist licht. Und die Luft schlank?



                     *

 

„Rechts und links verwechslich nich“

Es gärt in den EU-Ländern. Die Hefe: Absonderungen rechter Hirne. Auch in Deutschland, wo etliche Menschen jeglichen Alters, rechts und links verwechseln. Fragen Sie mal, wie Sie zur Post, dem Rathaus oder einer Parteizentrale kommen, sind Sie vom Glück verwöhnt, wenn die Befragten ihre Antwort mit einer Armbewegung unterstreichen. Falls sich Worte und Geste widersprechen, gehen Sie in die Richtung, die Ihnen der Arm zeigt. Zeigt er aber ausgestreckt schräg nach oben – dann suchen Sie flugs das Weite, denn diese Richtung führt, wie die Erfahrung lehrt, schnurstracks in die Hölle.



                     *

 

Schönreden

Laut Spiegel sagt der Forscher Detlef Weigel:
„Bio kann die Welt nicht retten, und Europa wird bald in großem Stil Gentechnikpflanzen anbauen.“
Was das gebracht hat, wissen wir bereits: Selbstmorde von Bauern in Indien, weil der Anbau von Gentech-Reis sie ruiniert hat.
Durch die großen Mengen benutzter Gifte, kranke Anwohner und viele Missgeburte in Südamerika.
In den USA Missernten, weil das Unkraut gegen die Gifte immun ist und die Nutzpflanzen erstickt.

„Wissenschaft ohne Gewissen ist nichts als das Ergebnis einer ruinierten Psyche“ schrieb bereits der Schriftsteller und Arzt Rabelais.



                     *



Washington – Ballern um Kopf und Kragen
                              oder
                          wer hat zuerst trump-etet

„Früher war die Zukunft auch besser.“
Karl Valentin

Viele US-Amerikaner beharren darauf, Waffen zu tragen. Viele weiße US-Amerikaner hätten Angst vor Überfremdung, vor Migranten. Das kann man nachvollziehen. Schließlich sind die meisten Weißen in den USA Nachfahren von Migranten, die eine große Zahl heimischer Indianer um Land und Leben gebracht und viele Schwarze in Ketten zwangsimmigriert haben.

Vielleicht ist das die Ursache, dass so viele Weiße in den USA sich an Handfeuerwaffen klammern. Sie haben einfach Angst vor einer verspäteten Retourkutsche heutiger Immigranten.

Europäer tendieren dazu, die damalige Zwangsintegrierung Schwarzer als 1. TTIP Amerikas mit Afrika zu werten. Und raten u.a. auch darum von TTIP mit den USA dringend ab.


                     *

Rückblick in die Gegenwart

Wo die Herzen schlagen
Schlag besser nicht zurück.
Womit die Herzchen schlagen?
Mit Schlagring und Geschick.

Sie brechen nur die Gräten
Die Mediziner sprechen von Genick.
Die Herzchen wollen alles jäten
Haben Braunkohl nur im Blick.


                     *

Klamm

Herr Fritz ging durch eine Fußgängerzone in Charlottenburg, vielleicht könnte sie auch in Sonstwo liegen. Ein Auto, auf dessen Dach sich ein riesiges Schwein breit gemacht hat, ein Schwein aus Plastik, parkte hier, wohl mit Erlaubnis. Veganer drückten den Passanten eine kleine Broschüre in die Hand. Herr Fritz warf einen Blick darauf und kommentierte: „Ihr kommt zu spät. Ich bin schon seit dreißig Jahren Vegetarier.“

Wenige Schritte weiter, auf einem Klapphocker, saß ein weißhaariger Musiker, sang einen Countrysong und begleitete sich auf der Gitarre. Die Musik veränderte den Gang mancher Passanten. Vor einem Eckladen ging ein Obdachloser auf und ab, er sieht immer aus wie frisch gewaschen, dachte Herr Fritz, er strahlt, vielleicht hat er ein paar Exemplare mehr als sonst von einer der Obdachlosenzeitungen verkauft. Herr Fritz nahm ein Exemplar und strebte zu einer Sparkassen-Filiale. Ein Obdachloser trieb sich vor dem Eingang rum, öffnete Herrn Fritz die Tür, als sei er mal Hotelportier gewesen.

Als Herr Fritz die Sparkasse verließ, drückte er dem selbsternannten Portier eine Münze in die Hand. Ein Pärchen Rucksacktouristen kreuzten seinen Weg, sie erzählten, sie seien etwas klamm. Herr Fritz drückte dem Sprecher die erstandene Obdachlosenzeitung in die Hand, betrat dann einen Buchladen und rollte mit der Rolltreppe in den zweiten Stock, sein Ziel die Cafeteria, wo er einen Tee bestellte. Er lagerte mit einer der ausliegenden Tageszeitungen in einem Sessel. Die Zunge meldete Alarm: der Tee ist noch zu heiß!, die Schlagzeile schlug zu, „Der kalte Krieg noch eisiger geworden.“ Herr Fritz fühlte sich ganz plötzlich fremd in seiner Haut.

Er faltete die Zeitung zusammen, packte sie in einen leeren Rucksack und rollte die Rolltreppe hinab zum Ausgang. Er fischte einen Zettel aus der Tasche, warf einen Blick darauf und eilte zu einem Lebensmittelladen, kaufte ein, verstaute die paar Waren in den Rucksack und vergaß beinahe zu zahlen. Er ging jetzt langsam, seltsam staksig – lehnte sich an eine Wand. Der Musiker auf seinem Hocker sang noch immer. Herr Fritz gelang ein bleiches Lächeln. Ihm kam es vor, als robbe er sich zurück zum Bahnhof. Er schalt sich, stell dich nicht so an. Eine Blumenverkäuferin streckte ihm einen Blumenstrauß zum Kauf entgegen, Musiker stimmten ihre Instrumente, stumme Bettler hockten hinter leeren Bechern, ein Betrunkener greinte und jemand saß wie geschrumpft, klein und still auf einem nackten Stein. Herr Fritz zog eine knautschige Börse aus der Tasche und leerte sie vor ihm.

Auf dem Bahnsteig wartet Herr Fritz, jetzt einer unter vielen, ihm wird von einem Mädchen, mager, mit hellroten Haaren, eine Obdachlosenzeitung angeboten.
„Ich bin doch kein Millionär!“
Herr Fritz erschrickt vor seinem eigenen Schrei. Ist irritiert. Er schaut auf, niemand hat den Kopf zu ihm gedreht. Das Mädchen mit dem roten Haar, in einem Frühlingskleid von vor zehn Jahren, sagt:
„Verzeihung.“
Herr Fritz steht da, schwindlig, mit weichen Knien echot er: „Verzeihung.“


                     *

Bienenstich Umschlag

Verlegt

Einige wenige Exemplare meines zweiten Buchs, 1975 erschienen und beim Umzug des Verlages untergetaucht, wurden jetzt wieder entdeckt:

Bienenstich
Satiren
Atelier Handpresse Berlin

Nummerierte und signierte Auflage von 250 Exemplaren

(Für einen Einblick:
aufs Bild klicken.)

Eine Rarität
€ 16.– (beim Autor erhältlich)

 
 






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